Viele Untersuchungen belegen, dass Personen aus sozial benachteiligten Schichten weniger gesundheitsbewusst leben, häufiger rauchen und Alkohol konsumieren, seltener Sport treiben und sich qualitativ schlechter ernähren als Personen aus sozial privilegierten Schichten. Obwohl arbeitslose Menschen nicht per se zu der Gruppe der sozial benachteiligten Schichten der Gesellschaft zu rechnen sind, dürfte nicht zuletzt auch aufgrund der hohen Verbreitung der Arbeitslosigkeit in Deutschland ein nicht unbeträchtlicher Anteil der arbeitslosen Personen zu den sozial benachteiligten Schichten zu rechnen sein. Verhaltensweisen, die als wenig gesundheitsbewußt zu bezeichnen sind, treten jedenfalls gehäuft in dieser Gruppe auf.
Daher sind Maßnahmen zur Gesundheitsförderung gerade für die Gruppe der Arbeitslosen dringend geboten. Dabei wird unter Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen neben dem vernünftigen Umgang mit bekannten Risikoverhaltensweisen wie dem Alkoholkonsum, dem Rauchen, der gesunden Ernährung und ausreichenden Bewegung auch der Umgang mit der Arbeitslosigkeit selbst, der zu Stress, Selbstzweifeln bis hin zu depressiven Verstimmungen reichen kann, aber auch Auswirkungen auf das familiäre Zusammenleben hat, verstanden. Häufig sind die Angebote der Gesundheitsförderung mittelschichtsorientiert und motivieren nicht ausreichend Arbeitslose und Personen aus sozial benachteiligten Gesellschaftsschichten.
Daher können Gesundheitsförderungsstrategien bei dieser Zielgruppe nur dann erfolgreich sein, wenn sie von der individuellen Motivationslage ausgehen, individuelle Strategien zu entwickeln helfen und damit dazu beitragen, die Selbstverantwortung zu gesundheitsbezogenem Verhalten zu stärken.
Ziele
Das Ziel des Projektes ist die Entwicklung von Angeboten zur Gesundheitsförderung, die Arbeitslose ansprechen. In einem ersten Schritt soll zunächst ein Beratungskonzept erprobt und evaluiert werden.
Das Beratungskonzept hat folgende Funktionen:
Klärung der individuellen Motivationslage zu gesundheitsbezogenem Verhalten
Identifikation möglicher Barrieren für das Aufsuchen gesundheitsfördernder Maßnahmen und Erhebung von Wünschen und Bedürfnissen der Zielgruppe an derartige Angebote.
Steigerung der Motivation zu gesundheitsbewußtem Verhalten und Unterstützung bei der Einleitung entsprechender Verhaltensweisen.
Die methodische Grundlage für dieses Beratungskonzept ist die motivierende Gesprächsführung („Motivational Interviewing“), ein zugleich klientenzentrierter und direktiver Beratungsstil. Ziel der Beratung ist es, die Veränderungsbereitschaft „unentschlossener Personen“ zu fördern. Zentrales Merkmal der motivierenden Gesprächsführung ist der Verzicht auf ein konfrontatives Vorgehen: Ambivalenz des Klienten wird nicht als Widerstand, mangelnde Einsicht oder unzureichender Leidensdruck abgewertet und diagnostische Etikettierungen werden vermieden. Wichtig sind vielmehr Empathie und das Fördern der Selbstwirksamkeit. Die Wirksamkeit der motivierenden Gesprächsführung wurde insbesondere zur Sekundärprävention und Behandlung des Alkoholmissbrauchs und der ?abhängigkeit gezeigt.
Evaluation
In einer Evaluationsstudie werden die Effekte der Interventionen bewertet. Im Rahmen einer Prozessevaluation soll die Umsetzbarkeit und die Akzeptanz der Angebote bei den Anbietern und Teilnehmern erfasst werden. Ziel der Prozessevaluation ist neben der Bewertung der Angebote auch die Gewinnung von Ansatzpunkten zur Optimierung und Adaptation der Angebote. Die Ergebnisevaluation dient der Überprüfung, inwieweit durch die Intervention eine Veränderungsbereitschaft bei den Arbeitslosen in Richtung gesundheitsförderndes Verhalten möglich ist bzw. bereits konkrete Veränderungen in verschiedenen Bereichen (z.B. ungesunde Ernährung, Rauchen, Alkoholkonsum) eingeleitet wurden.
Durchführende Institutionen
In Norddeutschland:
IFT-Nord
Düsternbrooker Weg 2; 24105 Kiel
Tel: 0431 / 57029-0; Fax: 0431 / 57029-29
Mail: wiborg@ift-nord.de
In Nordrhein-Westfalen:
Institut für Prävention und Gesundheitsförderung an der Universität Duisburg-Essen
Max-Fiedler-Straße 6; 45128 Essen
Fon: 0201 / 56 59 6-23
Fax: 0201 / 56 59 6-41
Das gesamte Projekt wird gefördert durch Mittel des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen.