Schriftzug 'Institut für Prävention und Gesundheitsförderung an der Universität Duisburg-Essen'
 

Fit bleiben 50plus

Gesundheitsförderung und Prävention für Ältere durch Betriebskrankenkassen

Gesundes Älterwerden ist nicht allein eine Frage der körperlichen und seelischen Gesundheit, sondern vielmehr ein komplexer mehrdimensionaler Prozess, der neben gesundheitlichem Wohlbefinden und gesundheitsbewusstem Verhalten auch die aktive Lebensführung und eine positive Lebenseinstellung umfasst. An dieser Stelle wird die besondere Bedeutung der Prävention deutlich.

 „Fit bleiben 50plus“ ist eine Initiative des BKK Bundesverbandes und stellt eine modellhafte Konzeption und Umsetzung sowie anschließende Erprobung eines modularen Ansatzes zur Gesundheitsförderung für Menschen in der zweiten Lebenshälfte dar. Die Initiative ist Bestandteil der BKK Initiative „Mehr Gesundheit für alle“ gemäß § 20 SGB V. Ziel von „Mehr Gesundheit für alle“ ist es, innovative Ansätze zur gesundheitsförderlichen Gestaltung von Handlungsfeldern und Strukturen zu entwickeln, die dazu beitragen, die gesundheitlichen Chancen von sozial benachteiligten Personen ohne Stigmatisierung zu verbessern.

 

Kampagne Fit bleiben 50plus- Konzeptioneller Ansatz

Die Kampagne „Fit bleiben 50plus“ richtet sich an Frauen und Männer ab einem Alter von 50 Jahren mit dem Ziel, die Menschen frühzeitig zu einem gesunden Lebensstil zu motivieren, um altersbedingte Einschränkungen mit Folgen wie Frühberentung, sozialer Isolation oder Pflegebedürftigkeit zu vermeiden. Die Maßnahmen im Rahmen der Kampagne sollen die Beschäftigungsfähigkeit sowie die Selbständigkeit und Mobilität in der zweiten Lebenshälfte fördern.

Um eine effektive und zielgerichtete Ansprache und Erreichbarkeit von älteren Menschen zu erlangen, werden drei Zielgruppen unterschieden:

·         Berufstätige Versicherte zwischen 50 und 60 Jahren

·         Versicherte im Übergang in den Ruhestand (60-65 Jahren) und

·         Versicherte im Rentenalter (ab 65 Jahren).

Für Ansätze der Gesundheitsförderung für die „Generation 50plus“ bieten zwei Lebensbereiche geeignete Anknüpfungsmöglichkeiten für eine nachhaltige Präventionsstrategie: Wohnen und Arbeit.

Zum Einen stellen altersgerechte Wohnverhältnisse mit barrierefreier Ausstattung von Wohnraum und integrativem Wohnumfeld eine relevante Ressource für eine langfristige, sozial eingebundene und eigenständige Lebensführung dar, auch wenn der Aktionsradius langsam abnimmt. Im Setting des Wohnumfeldes sind zudem Schwellenängste geringer, Wege kürzer und soziale Kontakte nachhaltiger. Zum Anderen führt der demographische Wandel zur Notwendigkeit der nachhaltigen Integration älterer Menschen in Beschäftigung und des Erhalts ihrer Arbeitsfähigkeit. Auf Arbeitgeberseite kursieren zu den Fragen und Problemen, die mit der Beschäftigung älterer Arbeitender verbunden sein könnten, erhebliche Vor- und Fehlurteile. Diese im betrieblichen Kontext offen zu legen, zu erörtern und abzubauen ist eine Voraussetzung dafür, dass ältere Personen ihre Motivation und Arbeitsfähigkeit als signifikante gesundheitliche Faktoren erhalten können.

Mit der Kampagne sollen Bedingungen geschaffen werden, um die vorhandenen Gesundheitspotenziale besser als bisher auszuschöpfen und die nachhaltige Nutzung und Umsetzung zu fördern. Dabei werden verschiedene Akteure von Wohnungsbaugenossenschaften bis hin zu Betrieben und Arbeitgebern einbezogen, um Anknüpfungspunkte für Prävention und Gesundheitsförderung für Ältere zu identifizieren und zu nutzen. Die flankierende Aufklärungsarbeit zu zielgruppenspezifischen Gesundheitsrisiken und Präventionsangeboten rundet die Kampagne ab.

Im Folgenden sollen nun die einzelnen Elemente kurz vorgestellt werden:

 

Fit bleiben 50plus – Die einzelnen Module

Die Module der Kampagne können in settingorientierte und verhaltensorientierte Ansätze unterschieden werden. Bei der Konzeption der  verhaltensorientierten Ansätze wurde auf den möglichen Einsatz innerhalb eines Settings berücksichtigt.

 

Verhaltensorientierte Module

Präventionskurs für Ältere im Handlungsfeld Bewegung

Im Alter ist die Erkrankungsrate, aber vor allem die Erkrankungsdauer sehr hoch. Um diesem entgegen zu wirken, ist es wichtig, Risikofaktoren zu verringern oder sogar zu vermeiden. Der Risikofaktor Bewegungsmangel ist eine der häufigsten Ursachen für Zivilisationskrankheiten wie z.B. Bluthochdruck, koronare Herzkrankheiten und Diabetes Mellitus (Typ 2). Die Hälfte aller Frauen und Männer im mittleren Erwachsenenalter (45-65 Jahre) bewegt sich nicht ausreichend und diese Inaktivität steigt mit zunehmenden Alter weiter an (Robert Koch-Institut, 2005). Und das, obwohl seit langem bekannt ist, dass Bewegung einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden hat.

Der Präventionskurs berücksichtigt daher im Handlungsfeld Bewegung für die Altersgruppe über 50 Jahren die Voraussetzungen, Bedürfnisse und Wünsche dieser Zielgruppe. Er richtet sich vor allem an Anfänger, die sich selten bis nie aktiv bewegt haben, sowie an Wiedereinsteiger, deren aktive Zeit viele Jahre zurück liegt. Ziel des Präventionskurses ist es, den Teilnehmern altersspezifisches und anwendungsbereites Wissen über aktive Bewegung zu vermitteln sowie eine Verhaltensänderung in Richtung aktiveres Bewegungsverhalten zu initiieren. Angepasst an die jeweilige Motivationslage der einzelnen Teilnehmer werden in dem Kurs entsprechende Strategien eingesetzt.

Dieser Präventionskurs kann innerhalb wie außerhalb des betrieblichen Settings durchgeführt werden.

 

Informationsflyer

Gesundheitsmedien informieren die Zielgruppe über gesundheitsrelevante Themen und können sie für eine gesunde Lebensweise sensibilisieren. In der Präventionslandschaft gibt es bisher für die Personen ab 50 Jahre kaum umfassenden zielgruppenspezifischen Medien. Daher wurden im Rahmen der Kampagne Faltblätter entwickelt zu den Themen:

  • Früherkennung (für Männer und Frauen gesondert),
  • Schlafstörungen, 
  • Umgang mit Medikamenten, 
  • Ernährung,
  • Bewegung 50plus.

Neben einer kurzen Darstellung der theoretischen Grundlagen stehen vor allem praktische Tipps und Anregungen im Mittelpunkt, die zu einer gesünderen Verhaltensweise motivieren sollen.

 

Settingorientierte Module - Betrieb

BKK-Demografieberater

Ob klein- und mittelständisch oder Großunternehmer − der demografische Wandel stellt eine neue Herausforderung für alle Betriebe dar. Um dauerhaft am Markt bestehen zu können, müssen Unternehmen auf Beschäftigte bauen, die längerfristig leistungs- und erwerbsfähig sind. Neue Strategien zur Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit sind daher notwendig, um das vielfach nicht ausreichend genutzte Potenzial älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besser auszuschöpfen.

Im Mittelpunkt der Ausbildung zum „BKK-Demografieberater“ stehen daher neue Strategien zum Erhalt und zur Verbesserung der Gesundheit sowie der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese Strategien integrieren verschiedene Handlungsfelder, die sowohl auf das individuelle Verhalten und die Qualifikation der Beschäftigten als auch auf die Arbeitsorganisation und -gestaltung gerichtet sind.

Die viertägige Ausbildung des IPG Essen richtet sich an Personen in Betrieben und Betriebskrankenkassen, die im Bereich betriebliches Gesundheitsmanagement/ Gesundheitsförderung tätig sind.

 

Hab ein Herz für Dein Herz – Fit bleiben 50plus

Für die betriebliche Praxis wird ein altersgerechtes und alternsgerechtes Management für die Unternehmen gefordert (Kröll, Brinkmann, 1999, S.279). In Ergänzung zu den bekannten Interventionen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements wurde ein gesondertes Programm für ältere Arbeitnehmer entwickelt. In der Umsetzung werden Screening und verhaltensorientierte Maßnahmen, die von Krankenkassen nach SGB V §20 gefördert werden verbunden. Begleitend zum Screening-Konzept wurden Medien zur Ansprache der

  1. Arbeitgeber und Beschäftigtenvertretungen (Gewinnung der Zustimmung, Unterstützung, evtl. Finanzierung) sowie
  2. der älteren Mitarbeitinnen und Mitarbeiter (Ankündigung der Maßnahme, Werbung um Teilnahme) entwickelt.

Erste Erfahrungen in der Umsetzung in zwei metallverarbeitenden Betrieben mit 71 Arbeitnehmern zeigen, dass die älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur das Angebot sehr gut bewerteten, sonder auch stark davon profitieren konnten. So zeigte sich bei rund 75% ein abklärungsbedürftiger Wert im Screening.

 

Praxishilfe Beschäftigungsfähigkeit erhalten

Um die Herausforderungen des demografischen Wandels zu bewältigen, sind Maßnahmen gefragt, wie man ältere Beschäftigte gesund erhält, um sie länger im Arbeitsprozess halten und ihre Erfahrung, Kenntnisse und Kompetenzen besser als bisher nutzen zu können. In diesem Zusammenhang spielen Strategien und Maßnahmen betrieblicher Gesundheitsförderung und Prävention eine wichtige Rolle.

Die Praxishilfe Beschäftigungsfähigkeit erhalten - Strategien und Instrumente für ein langes gesundes Arbeitsleben gibt einen Überblick über vielversprechende und erfolgreich erprobte Instrumente und Handlungsansätze für eine altersgerechte Gesundheits- und Personalpolitik. Darüber hinaus enthält diese zahlreiche Tipps und Anregungen für die Praxis.

Die Praxishilfe ist beim BKK Bundesverband kostenlos erhältlich.

 

„Move Europe“ – Sonderpreis „Fit in die Zukunft“

„Move Europe“ ist ein Wettbewerb des ENWHP (Europäisches Netzwerk zur Betrieblichen Gesundheitsförderung) zur Förderung gesunder Lebensstile in der Arbeitswelt, der in den 31 Mitgliedstaaten des Netzwerks ausgeschrieben ist. Im Rahmen dieses Wettbewerbs vergibt der BKK Bundesverband den Sonderpreis „Fit in die Zukunft“. Dieser Preis wird für solche Präventionsmaßnahmen im Unternehmen vergeben, die im Hinblick auf die Herausforderungen durch eine längere Lebensarbeitszeit sowohl Lebensalter-spezifischen Voraussetzungen (kognitiv, physiologisch) als auch Lebensphasen-spezifischen Interessen und Bedürfnissen besondere Aufmerksamkeit schenken.

Im Dezember 2007 erhielt die VHH PVG Unternehmensgruppe beim BKK-Kongress „Wettbewerbsvorteil Gesundheit“ den Sonderpreis „Fit in die Zukunft“ für ihr herausragendes Engagement im Bereich Demografischer Wandel.

Dieses und andere Praxisbeispiele sollen durch den Wettbewerb einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Eine Übertragung in andere Unternehmen soll hiermit gefördert werden.

 

Konzeptionierung eines webbasierten Präventionsprogramms

Zu einem zeitgemäßen Gesundheits-Marketing gehört auch ein Online-Angebot. Für die Zielgruppe 50plus wurde ein webbasiertes Programm entwickelt, welches über die Internetseiten von Betriebskrankenkassen sowie über Intranetseiten von Betrieben ab Frühjahr 2009 genutzt werden kann. Das webbasierte Präventionsprogramm umfasst die für die Zielgruppe relevanten Gesundheitsbereiche wie Bewegung, Stress sowie Entspannung und motiviert zu gesundheitsbewussten Verhaltensweisen. Mithilfe von Wissenselementen, Selbsttests und Anleitungen für Übungen liegt der Schwerpunkt des Programms auf der Sensibilisierung und Aktivierung der User.

 

 

Settingorientierte Module - Wohnumfeld

Beratung von  Sportvereinen und Wohnungsbaugesellschaften zur Gesundheitsförderung für Ältere

Für Akteure der Gesundheitsförderung sind Menschen am besten „vor Ort“ zu erreichen, wo sie ihren Alltag gestalten und die Schwellen niedrig sind: im Lebensraum „Wohnumfeld“.

Um die vorhandene Fachkompetenz vor Ort zu nutzen und Synergieeffekte zu stärken, sieht das Konzept dieser Kampagne die gezielte Einbeziehung von Sportvereinen und Wohnungsbaugesellschaften vor. Die Beratung soll für die gesundheitsbezogenen Bedarfe und Bedürfnisse der Älteren sensibilisieren und informieren, um Impulse für die Versorgungslandschaften vor Ort zu geben.

 

Förderung von Kooperationen zwischen Wohnungsbaugesellschaften und Sportvereinen

Mit „Fit bleiben 50plus“ setzt die BKK auf die Vernetzung engagierter, lokaler Akteure, wie Wohnungsgesellschaften und Sportvereine, und bezieht sie mit ihren Ideen, Interessen, Erfahrungen und Zugangswegen als Partner ein. Eigenverantwortung und Engagement der Zielgruppe sollen dabei mit im Blick bleiben.

Die genannten Akteure sollen mit ihren Ideen, Interessen und Erfahrungen aktiv einbezogen werden. Die gemeinsame Entwicklung passgenauer Förderansätze für Ältere stärkt den Austausch und somit die Strukturqualität vor Ort, um langfristig ein breites Spektrum unterschiedlicher Strategien zu erzielen. Dazu soll mit dieser Kampagne die Kooperation zwischen Wohnungsbau und Sportvereinen, ggf. auch mit ortsnahen Beratungsstellen, forciert werden.

 

 

 

Ansprechpartnerin

Monique Faryn-Wewel

Telefon: 02 01/5 65 96-24
Fax: 02 01/5 65 96-41
Email: Wewel@ipg-uni-essen.de