Schriftzug 'Institut für Prävention und Gesundheitsförderung an der Universität Duisburg-Essen'
 

Patient Journey für Patienten mit Alzheimer-Demenz

 

Einleitung  In der Studie zur Patient Journey bei Alzheimer-Demenz wurden Muster und Besonderheiten im Inanspruchnahmever-halten von GKV-Leistungen von inzidenten Alzheimer-Demenz-Patienten (kurz: AD-Patienten) im Vergleich zu einer Kontrollgruppe untersucht. Eine weitere Vergleichsgruppe von prävalenten AD-Patienten dient zur Beurteilung der Konsolidierung der Unterschiede.
Methodik  Die Datenbasis sind GKV-Routinedaten einer ca. 1,5 Millionen Personen umfassenden Versichertenpopulation von GKV-Versicherten. Aus dieser Versichertenpopulation wurden im Jahr 2009 inzidente und prävalente Patienten anhand der hinterlegten Diagnose (ICD-10: F00* und G30) identifiziert. Weiterhin wurde eine nach der Soziodemografie der inzidenten AD-Patienten gematchte Kontrollgruppe gebildet. Alle drei Gruppen wurden dann von 2009 ausgehend fünf Jahre rückblickend in Hinblick auf ihre Inanspruchnahme im GKV-System verglichen.
Ergebnisse  Inzidente AD-Patienten sind um 5 Jahre jünger als prävalente AD-Patienten. Unter den AD-Patienten sind generell mehr Frauen vertreten. In Hinblick auf die Inanspruchnahmen im ambulanten Bereich nehmen die in 2009 inzidenten Patienten in den Jahren vor der Diagnose mehr unterschiedliche Ärzte und (zunehmend) mehr Neurologen in Anspruch. Diagnosen aus den ICD-10 Kapiteln F und G werden bei ihnen häufiger und auch im Zeitverlauf zunehmend gestellt. Stationäre Aufenthalte sind in der inzidenten Gruppe durchschnittlich etwas häufiger als in der Kontrollgruppe und die Entlassungsdiagnosen sind häufiger aus den ICD-10 Kapiteln E-, F-,G-, R- und S/T. Die inzidenten Patienten erhalten in den fünf Jahren vor der (endgültigen) Diagnosestellung mehr Medikamente, die hier auch zu höheren Gesamtausgaben führen. Sie haben mehr Verschreibungen von Medikamenten aus dem ATC-Kapitel N. Sie erhalten mehr Sonstige Leistungen, wobei insbesondere häusliche Krankenpflege und Fahrtkosten auffällig sind. Arbeitsunfähigkeit und Krankengeld spielen eine untergeordnete Rolle.
Diskussion  Inzidente Patienten fallen in den Jahren vor der Alzheimer-Diagnose durch Häufungen bestimmter Merkmale/ Inanspruchnahmen auf. Damit unterscheiden sie sich merklich von der Kontrollgruppe. Die beobachteten Mehrinanspruchnahmen setzen sich bei den prävalenten Patienten zudem häufig fort. Damit sind ausreichend Kriterien für ein Prognose-Modell vorhanden, dass aus den Informationen zur Inanspruchnahme von GKV-Leistungen die Wahrscheinlichkeit einer künftigen AD-Inzidenz ermittelt. Gleichsam stellt sich damit die Fragen nach den versorgungsstrukturellen Konsequenzen für die Sekundärprävention angesichts eines erkannt erhöhten Risikos.

 

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Dr. Heiko Friedel

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Bösartige Neubildungen Charakterisierung der Versorgung und der Behandlungskosten mit dem Fokus auf die Chemotherapie

 

Die Versorgung von Patienten mit bösartigen Neubildungen bezieht viele Bereiche des Gesundheitssystems ein. Neben der kontinuierlichen hausärztlichen Behandlung werden im Rahmen der Therapie spezialisierte Praxen einbezogen und in vielen Fällen auch entsprechende Fachabteilungen in Krankenhäusern. Hinzu kommt die Behandlung mit Arzneimitteln, die insbesondere auf Zytostatika-Zubereitungen der Chemotherapie beruht. Aufgrund der Nebenwirkungen wird häufig eine Begleittherapie eingeleitet. Anhand der Abrechnungsdaten von gesetzlich Versicherten sollen diese Behandlungswege nun nachvollzogen und die Kosten der einzelnen Komponenten beziffert werden.

In der vorliegenden Studie wurden die Abrechnungsdaten von BKK Versicherten betrachtet. Innerhalb dieses Kollektivs wurden 16.684 Krebspatienten identifiziert, die an einer bösartigen Neubildung des Kolons, Rektums, Pankreas, der Brust, der Ovarien oder der Lunge erkrankt sind. Nach einer Plausibilitätsprüfung der Kostendaten und dem Ausschluss von Personen, die im Beobachtungszeitraum nicht durchgehend versichert waren, verblieben 15.554 Krebspatienten in der Patientenstichprobe. Ein Anteil von 54% dieser Personen war an einem Mammakarzinom erkrankt. Weitere 20% waren aufgrund von Darmkrebs in Behandlung. Die Anteile der übrigen Gruppen lagen bei unter 10%. Im Durchschnitt waren die Patienten im Jahr 2009 64 Jahre alt.

Im Rahmen der Auswertungen wurden die Inanspruchnahmen und Kosten von Arzneimitteln, ambulanten und stationären Behandlungen, Phasen der Arbeitsunfähigkeit und sonstigen Leistungen in 12 Monaten betrachtet. Ein Patient der Stichprobe hatte in diesen Bereichen 8.176 Euro Behandlungskosten im Jahr (immer Mittelwerte). Bei einer Betrachtung der Untergruppen wurden jedoch starke Unterschiede deutlich. So lagen die jährlichen Kosten der Gruppe mit bösartigen Neubildungen des Pankreas bei 18.199 Euro, während die der Brustkrebspatienten sich zu 6.593 Euro summierten. Eine Betrachtung der Kostenstruktur zeigte wie deutlich zwei Leistungsbereiche die Gesamtkosten bestimmen: Arzneimittelverordnungen und vollstationäre Krankenhausbehandlungen. So lagen in der Gruppe „Pankreas“ bspw. allein die Kosten für Arzneimittelverordnungen und vollstationären Behandlungen zusammen bei über 14.000 Euro im Jahr.

Unter den Arzneimittelverordnungen der Patienten wurden 15.835 eingelöste Verordnungen von Zytostatika-Zubereitungen abgerechnet. Sie gingen auf 1.462 Patienten der Stichprobe zurück (9,4%). Der größte Anteil behandelter Personen stammte aus der Erkrankungsgruppe „Pankreas“ (knapp 35% der Patienten). Im Durchschnitt kostete eine solche Zubereitung 769,38 Euro (Nettopreis). Jedoch schwankten die Preise deutlich zwischen den Erkrankungsgruppen: Von 682 Euro (Kolon) bis zu 1.199 Euro pro Verordnung (Brust). Auch die Anzahl der Zytostatika-Zubereitungen variierte deutlich zwischen 10 und 23 Verordnungen im Jahr. Die höchsten jährlichen Kosten für Zytostatika-Zubereitungen hatten Darmkrebspatienten. Die hohen Gesamtkosten der Gruppe „Pankreas“ gingen mit erhöhten Verordnungsraten von Opioiden, IV-Lösungen und ihren Additiva einher.

Aus dem Bereich der Supportivtherapie wurden drei Wirkstoffgruppen ausgewertet. Immunmodulatoren hatten die höchsten Stückpreise (in allen Gruppen über 1.000 Euro). Sie wurden insgesamt 1.037 Mal verschrieben. Antiemetika waren hingegen deutlich günstiger und wurden den Patienten 5.328 Mal verschrieben. Verordnungen von Antibiotika waren am häufigsten (14.566 Verordnungen). Insbesondere Verordnungen von Immunmodulatoren zeigten einen deutlichen Einfluss auf das Kostengefüge. Auch hier hob sich die Gruppe „Pankreas“ durch vermehrte Inanspruchnahmen und hohe jährliche Kosten ab.

Die Kosten im ambulanten Bereich schwankten zwischen 806 Euro und 1.254 Euro im Jahr. In der Regel wurden die Patienten durch Hausärzte und Internisten behandelt. Unter denjenigen mit Verordnungen von Zytostatika-Zubereitungen (1.462) wurden 1.203 bei Infusionsterminen im niedergelassenen Bereich wiedergefunden. Es verblieb jedoch ein Anteil von 259 Personen ohne erkennbare Infusionstermine. Viele dieser Patienten entstammten der Gruppe „Pankreas“. Unter den behandelten Patienten kam es im Mittel zu 13 Arztterminen im Jahr, die durchschnittlich 67 Euro kosteten. Die jährlichen Kosten für die Infusionen lagen bei 825 Euro, wobei auch hier deutliche Schwankungen zwischen den Gruppen auftraten. Die meisten Chemotherapie-Termine wurden durch Internisten durchgeführt, auf Rang zwei standen die Hausärzte.

Für 443 Patienten mit Zytostatika-Zubereitungen wurden auch Strahlentermine gefunden. Sie hatten durchschnittlich 26 dieser Termine im Jahr, mit mittleren Kosten von 75 Euro. Die jährlichen Kosten für Strahlentermine lagen bei 1.845 Euro. Die Bestrahlungen wurden in erster Linie von Radiologen durchgeführt. Auch hier sind die Hausärzte auf Rang zwei.

Unter den Krankenhausbehandlungen konnten insgesamt 8.526 Fälle gefunden werden, die mit einer Entlassungsdiagnose aus dem Bereich der bösartigen Neubildungen einhergingen. Davon sind 1.569 in teilstationärer Behandlung erbracht worden. Diese Krankenhausfälle gingen auf 2.643 vollstationär und 1.049 teilstationär behandelte Patienten zurück. Zwischen 12 und 46% der Erkrankungsgruppen hatten mindestens einen vollstationären Aufenthalt aufgrund der bösartigen Neubildung. Im Mittel waren sie 2,5 Mal im Jahr im Krankenhaus. Die Gruppe „Pankreas“ hatte mit 46% den höchsten Anteil behandelter Patienten.

Unter diesen Personen waren auch 623 Patienten, die eine Chemotherapie während ihres vollstationären Aufenthalts bekommen haben. Im Durchschnitt kamen sie auf vier Chemotherapie-Aufenthalte im Jahr, die im Mittel 2.336 Euro kosteten und sieben Tage andauerten. In erster Linie wurden die Patienten von den Abteilungen der inneren Medizin und der hämatologischen und internistischen Onkologie behandelt. Die teilstationäre Behandlung spielte hier nur eine kleine Rolle. Hier wurden nur 22 Patienten mit Chemotherapie behandelt, bei mittleren Kosten von 587 Euro pro Behandlung. Auch im Bereich der Strahlentherapie hatte die teilstationäre Behandlung nur eine geringe Bedeutung (zwei behandelte Personen). Ein Anteil von 241 Personen wurde während eines vollstationären Aufenthalts bestrahlt, und zwar im Mittel 1,5 Mal im Jahr. Die Kosten eines solchen Aufenthalts lagen durchschnittlich bei 5.523 Euro.

Da es sich um eine Patientenstichprobe mit einem hohen Durchschnittsalter handelte, wurden erwartungsgemäß nur wenige Arbeitsunfähigkeits-Phasen in der Stichprobe gefunden. Bei 859 Patienten kam es zur Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer Diagnose der bösartigen Neubildung. Sie dauerte im Durchschnitt 65 Tage an. Sofern Krankengeld gezahlt wurde, lagen die mittleren Bezüge eines Falls bei 5.911 Euro.

Für die Betrachtung von Komorbiditäten wurden die Behandlungsdiagnosen der Patienten in einem Jahr ausgewertet. Auch hier zeigte sich das hohe mittlere Alter der Patienten in den Ergebnissen. Unter den Diagnosen, die keinen Bezug zur Neubildung aufwiesen, dominierten Erkrankungen aus dem Kreislauf und Stoffwechselbereich. Insbesondere der Typ-2-Diabetes mellitus, die primäre Hypertonie und kardiovaskuläre Erkrankungen wurden häufig behandelt.

 

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Dr. Heiko Friedel

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Morbus Dupuytren: Charakterisierung der Versorgung und Krankheitsbehandlungskosten

 

Patienten mit der Diagnose Morbus Dupuytren werden gegenwärtig angesichts eines nur marginal beeinflussbaren fortschreitenden Erkrankungsverlaufs konservativ-invasiv in stationären Einrichtungen versorgt. Diese Versorgung ist bisher nicht gesundheitsökonomisch nachvollzogen worden. In allen Leistungsbereichen soll daher anhand von Kennzahlen zur Inanspruchnahme die Versorgung von Patienten mit Morbus Dupuytren erstmalig eingehend charakterisiert werden.

Morbus Dupuytren ist eine progressive Erkrankung, die eine Bewegungseinschränkung der betroffenen Hand mit sich bringt. In der vorliegenden Studie werden die gegenwärtigen Versorgungskosten der Erkrankung anhand der Abrechnungsdaten von Versicherten der Betriebskrankenkassen nachvollzogen. Im Fokus der Betrachtungen stehen die Inanspruchnahmen aller Bereiche des Leistungsgeschehens, i.E. der ambulanten und stationären Behandlungen, Arbeitsunfähigkeiten sowie verordneter Arzneimittel und sonstiger Leistungen. Neben der Anzahl der Inanspruchnahmen werden die anfallenden Behandlungskosten ausgewiesen. Durch eine genaue Betrachtung der Behandlungen in den Bereichen können die krankheitsbezogenen Inanspruchnahmen von den übrigen getrennt ausgewiesen werden.

Für die Auswertungen wird ein Datensatz erstellt, der die Behandlungen des Patientenkollektivs in 21 Monaten erfasst. Durch einen Suchlauf der Behandlungsdiagnose M72.0 werden die Patienten in 2007 identifiziert und in den Folgemonaten nach diesem Erstereignis verfolgt. Dabei werden krankheitsbezogene (Morbus Dupuytren) Behandlungen, sofern es möglich ist, unterschieden. Anschließend werden die Inanspruchnahmen auf einen Zeitraum von 12 Monaten (ein Versichertenjahr) gewichtet. Neben den Auswertungen zu Frequenzen und Kosten der Behandlungen werden in drei Bereichen detailliertere Betrachtungen vollzogen. Im ambulanten Abrechnungsbereich werden die angefallenen Arztbesuche quartalweise und nach der Fachgruppe des behandelnden Arztes ausgewertet. Im stationären Bereich werden die Krankenhausaufenthalte nach den durchgeführten Operationen und Prozeduren unterschieden. Die Phasen der Arbeitsunfähigkeit (AU) werden in ihrer Dauer ausgewertet.

Im Jahr 2007 können 1.029 Personen identifiziert werden. Dies entspricht einem Anteil von 0,062 % der Versicherten. Unter ihnen sind 959 Personen während ihres individuellen Beobachtungszeitraums durchgehend versichert. Anhand ihrer Daten erfolgen die Auswertungen der Studie. Eine Beschreibung des Patientenkollektivs bestätigt die Prädiktoren der Erkrankung. Drei Viertel der Patienten sind männlich und das mittlere Alter liegt mit 58 Jahren deutlich über dem der Gesamtstichprobe.

Unter den Patienten (N=959) kommt es im Mittel zu 16,5 Arztbesuchen, 9,2 Arzneimittelverordnungen, 2,5 Verordnungen sonstiger Leistungen, 0,7 Arbeitsunfähigkeits-phasen und 0,4 Krankenhausbehandlungen im Versichertenjahr. Die Gesamtkosten in 12 Monaten liegen durchschnittlich bei 2.605 Euro. Ein Anteil von 317 Euro geht dabei auf krankheitsbezogene Behandlungen zurück. Der kostenintensivste Bereich ist der Bereich der Krankenhausbehandlungen. Das erste sichtbare Ereignis unter Patienten, die im stationären Bereich identifiziert wurden, kostet im Mittel 1.523 Euro. Ein Anteil von knapp 11% dieser Personen wird in 21 Monaten ein weiteres Mal aufgrund Morbus Dupuytren im Krankenhaus behandelt. Die Behandlungskosten dieser Rehospitalisierungen liegen bei ca. 1.914 Euro. Unter den ausgewerteten Operationen und Prozeduren, sind die Amputationen die kostenintensivsten Ereignisse.

Die Betrachtung der behandelnden Facharztgruppen zeigt, dass Allgemeinmediziner, Chirurgen, Internisten und Augenärzte die häufigsten konsultierten Facharztgruppen sind. Ein Blick auf die Ärzte, die auch eine M72.0 kodiert schärft den Blick weiter. Hier dominieren die Allgemeinmediziner und die Chirurgen. Die hohe Anzahl der Internisten- und Augenarztkonsultationen kann ein Hinweis auf eine erhöhte Diabetikerrate unter den Patienten sein.

Im Durchschnitt entfallen auf einen Patienten in 12 Monaten 3,7 Tage der Arbeitsunfähigkeit. Auch aufgrund des gehobenen Alters (viele Patienten sind berentet) gibt es jedoch eine hohe Anzahl von Patienten ohne eine Arbeitsunfähigkeit im Beobachtungszeitraum. Eine Betrachtung der Phasen mit der Diagnose M72.0 zeigt, dass die durchschnittliche Dauer einer Abwesenheit aufgrund Morbus Dupuytren bei knapp 42 Tagen liegt.

 

 

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Auswertung der Versorgung von Patienten in Behandlung aufgrund zystischer Fibrose / Mukoviszidose

 

Aus den Abrechnungsdaten von 1.514.347 Personen wurde im Jahr 2008 anhand ihrer Abrechnungsdiagnosen 193 Patienten der zystischen Fibrose identifiziert. Dies entspricht einem Anteil von 0,013%. Das ausgewertete Versichertenkollektiv stellt einen Anteil von 2,2% aller gesetzlich Versicherten in Deutschland dar. Jedoch sollte bei einem Rückschluss der Häufigkeit auf das GKV –System bedacht werden, dass es in der Alters- und Geschlechterstruktur leichte Abweichungen gibt. So sind insbesondere die jungen Altersgruppen leicht überrepräsentiert. Da die Erkrankung aufgrund ihrer Mortalität bei Menschen über 45 selten ist, besteht die Gefahr einer leichten Überschätzung der Betroffenen in der GKV. Für Hochrechnungen wird daher eine Gewichtung empfohlen.

Unter den 193 Versicherten waren 179 durchgehend bei der Krankenkasse gemeldet. Die übrigen traten im Jahr 2008 ein (N=6) oder aus (N=8). Ihre Inanspruchnahmen wurden nicht in die Berechnung der Kosten pro Jahr integriert, sondern getrennt dargestellt. Das mittlere Alter der 193 Patienten lag im Jahr 2009 bei 25 Jahren, 51% sind Frauen. Der Auswertungszeitraum betrug 12 Monate, vom 1.7.2008 bis zum 1.7.2009.

In der Patientenstichprobe wurden die Abrechnungsdaten im ambulanten und stationären Bereich, die Arzneimittelverordnungen und die sonstigen Leistungen ausgewertet. Auch Arbeitsunfähigkeitsphasen und Krankengeldzahlungen wurden berücksichtigt. Summiert ergaben diese Bereiche mittlere Kosten von 8.880 € pro Jahr (N=179). Die Kosten der Patienten rangierten jedoch zwischen 17 € und 68.387 € im Beobachtungszeitraum. Zwischen den Patienten bestanden große Unterschiede in der Behandlungsintensität.

Der größte Kostenanteil ging auf die Verordnungen von Arzneimitteln zurück (5.578 € pro Jahr), gefolgt von vollstationären Behandlungen (1.734 € pro Jahr). Die Verordnungen sonstiger Leistungen summierten sich pro Person im Mittel auf 989 € pro Jahr, Behandlungen in der niedergelassenen Praxis lagen bei 459 €. Arbeitunfähigkeiten und Krankengeldzahlungen summierten sich jeweils auf Beträge von ca. 70 € pro Jahr.

Unter den Arzneimittelverordnungen dominierten die Verordnungen von Digestiva, Antibiotika und weiteren inhalativen Mitteln. Über diesen Weg wurden auch Inhalationsgeräte und –Zubehör verschrieben. Vitamine und stärkende Mittel zur Nahrungsergänzung waren ebenfalls häufig unter den Verordnungen der Patienten. Die gesuchten Wirkstoffe Tobramycin und Colistin wurden jeweils 19 (Tobi) und 24 (Colistin) Versicherten verschrieben. Eine Verordnung des Wirkstoffs Tobramycin kostete im Mittel 3.691 € und wurde in der Behandlung eines Patienten im Durschnitt 1,8 Mal im Jahr verschrieben und eingelöst. Colistin lag mit mittleren 1.685 € pro Verordnung etwas niedriger im Preis, jedoch mit durchschnittlichen 3,3 Verordnungen in der Verordnungsfrequenz deutlich höher. Die Gesamtkosten pro Jahr für die Behandlungen mit den Wirkstoffen glichen sich aus diesem Grund an.

Ein Patient der Stichprobe suchte durchschnittlich etwa 16 Mal im Jahr einen niedergelassenen Arzt auf. Unter den Fachärzten wurden Hausärzte mit durchschnittlich sechs Besuchen am häufigsten konsultiert, gefolgt von den Kinderärzten (drei Mal im Jahr).

Die Abrechnungsfälle im Krankenhaus lassen sich in vollstationäre und teilstationäre (ambulante Fälle) unterscheiden. Vollstationäre Behandlungen aufgrund der ZF kosteten im Mittel 7.048 € und dauerten etwa 17 Tage an. Solche, die akute Exazerbationen behandelten, kosteten im Mittel 8.370 € und dauerten 21 Tage an. Die Kosten der teilstationären Fälle lagen mit mittleren 143 € pro Behandlung weit unter diesen Kosten.

Unter den Verordnungen „sonstiger Leistungen“ waren zwei Bereiche ausschlaggebend. Am häufigsten wurden Bewegungstherapien verordnet, die auch die Atemtherapie einschließen. Sie kosteten im Mittel 311 € pro Verordnung. Auch die Inhalations- und Atemtherapiegeräte machten hier einen bedeutsamen Anteil aus (194 € im Mittel pro Verordnung).

 

 

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Analyse der Risikogruppen innerhalb einer Stichprobe von Typ – 2 – Diabetikern : Therapieform und weitere Differenzierungsmerkmale der Ausgaben im Gesundheitssystem

 

Aus vorangehenden Analysen wurde deutlich: Die Therapiegruppe (ohne antihyperglykämische Medikamente, mit oralen Antidiabetika, mit Insulin) differenziert unter den erhobenen Bestimmungsfaktoren am besten zwischen den Ausgaben von Typ – 2 – Diabetikern im Gesundheitssystem. Mehr noch als die Dauer der Erkrankung, das Alter, Geschlecht oder das Gesundheitsverhalten klärt sie die Varianz in den Ausgaben auf – und dies nicht nur im Arzneimittelbereich. Auch innerhalb der ambulanten Behandlungen und Krankenhausaufenthalte bestehen signifikante Unterschiede zwischen den Therapiegruppen. Die Gruppe der insulinpflichtigen Diabetiker hat jeweils die höchsten Ausgaben. Was macht die Versorgung der Insulin – Patienten so teuer?

Der detaillierte Blick auf die Inanspruchnahmen und Ausgaben zeigt, dass es unter insulinpflichtigen Diabetikern vermehrt und intensiviert zur Behandlung von Langzeitfolgen kommt. Im Krankenhaus sowie im niedergelassenen Bereich dominieren Diagnosen der Retino- und Nephropathien (mikrovaskuläre Erkrankungen). Speziell im niedergelassenen Bereich häufen sich zudem die Fuß-Komplikationen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Innerhalb der Arzneimittel heben sich Insulinpflichtige durch teurere Antidiabetika, antithrombotische Mittel, Antianämika und Glukosetests von den Vergleichsgruppen ab. Wer ist bzw. wird vornehmlich insulinpflichtig?

Die Dauer der Erkrankung, zusammen mit dem Lebensalter, lässt die Ermittlung des Beginns der Erkrankung bzw. der Behandlung zu. Es ist auffällig, dass in der Gruppe der früh-erkrankten Diabetiker mehr Insulinpflichtige sind als in den anderen Gruppen. Das mittlere Lebensalter liegt mit knapp 62 Jahren zwar deutlich unter den Vergleichsgruppen, jedoch hebt sich die mittlere Dauer der Erkrankung mit 18 Jahren bedeutend ab (9 und 4 Jahre in den Vergleichsgruppen). Diabetiker dieser Gruppe sind vor dem 54. Lebensjahr erkrankt bzw. diagnostiziert worden und zählen zu 47 % zu den insulinpflichtigen Patienten der Stichprobe. Handelt es bei den Früh-Erkrankten um eine Risikogruppe, die auch besonders schnell mit Insulinen behandelt wird?

Im Rahmen der näheren Betrachtung der Erkrankungsgruppen (früh, mittel und spät) zeigt sich, dass die Insulinpflichtigen der Früh-Erkrankten sich durch die längere Dauer ihrer Erkrankung von den anderen Gruppen unterscheiden. Dies spricht gegen eine schnellere Intensivierung der Therapie bei den Früh-Erkrankten. Für eine sichere Aussage ist jedoch das Studiendesign nicht angemessen: Der Zeitpunkt des Beginns der Insulinbehandlung kann in den Daten des Zeitfensters nicht nachvollzogen werden. Deutlich wird, dass die Dauer der Erkrankung bei den mittel- und späterkrankten Insulinpflichtigen maßgeblich niedriger ausfällt. Ob nun diese Gruppen tendenziell schneller mit Insulinen behandelt werden, ist ebenfalls nicht überprüfbar.

Welche Wertemotivationen haben die Früh-Erkrankten? Die Wertetypen nach Klages variieren deutlich mit dem Alter der Personen. Da es sich bei den Früh-Erkrankten um die im Durchschnitt jüngste Gruppe (m=62 Jahre) der Studienteilnehmer handelt, ist es nicht weiter verwunderlich, dass überdurchschnittlich viele hedonistische Materialisten vertreten sind. Nichtsdestotrotz dominiert auch hier der aktive Realist. Ein Therapiegruppenvergleich unter den Früh-Erkrankten zeigt, dass sich die hedonistischen Materialisten tendenziell stärker unter den Patienten ohne Insulin, allein in Behandlung mit OAD wiederfinden. Eine Betrachtung nach Altersgruppen in der Gruppe der Früh-Erkrankten zeigt noch einmal deutlicher, dass insbesondere die jungen Diabetiker eine Tendenz zum hedonistischen Materialismus haben. Ein Blick auf die zugrundeliegenden Wertedimensionen macht weiterhin deutlich: Es sind hauptsächlich die Unterschiede auf dieser Dimension, die zwischen den Altersgruppen unterscheiden. Je jünger und früher erkrankt, umso besser sprechen die Versicherten auf die Werte des hedonistischen Materialismus an.

Haben die Früh-Erkrankten nun mehr Langzeitfolgen als die anderen Gruppen? Tatsächlich fallen in der Gruppe anteilig mehr Retino- und Nephropathien an, als in der Gesamtstichprobe. Auch die Ausgaben liegen in vielen Diabetes-relevanten Bereichen etwas höher. Allein die Gruppe „Diät & Früh-Erkrankt“ hebt sich durch besonders niedrige Ausgaben für Diabetes-relevante Krankenhausbehandlungen ab. Ein Blick auf die Therapiegruppen innerhalb der Früh-Erkrankten zeigt jedoch, dass Langzeitfolgen in erster Linie unter den Insulinpflichtigen auftreten. Vergleicht man wiederrum diese mit allen Insulinpflichtigen der Stichprobe, so weichen die Inanspruchnahmen sogar nach unten ab. Die höheren Inanspruchnahmen und Ausgaben der Gruppe der Früh-Erkrankten sind demnach tendenziell dem höheren Anteil Insulinpflichtiger zuzuschreiben.

Wie entwickeln sich nun die Ausgaben in den Erkrankungsgruppen der früh- , mittel- und späterkrankten Diabetiker in Behandlung mit Insulin? Die spezielle Untergruppe „Früh-Erkrankt und in Behandlung mit Insulin“ ist in der Ausgangsstichprobe mit 481 Personen vertreten. Auswertungen nach anderen Variablen, bspw. der Dauer der Erkrankung, teilen diese Gruppe weiter auf, so dass kleine Zellbesetzungen zu erwarten sind. Aus diesem Grund wird die Stichprobe um die Studienteilnehmer aus dem zweitem Fragebogenrücklauf erweitert. Das ehemalige Kollektiv von 3.289 Personen erweitert sich auf 6.093 Teilnehmer, davon sind 1.871 in Behandlung mit Insulinen und 846 Personen vor ihrem 54. Lebensjahr, also „früh“, erkrankt.

Ein Abgleich mit dem „alten“ Kollektiv zeigt, dass sich nur wenig durch die Erweiterung verändert hat. Früh-Erkrankte sind im Durchschnitt nun etwas älter (65 zu vormals 62 Jahren). Nach wie vor werden etwa 30 % der Stichprobe mit Insulinen behandelt und davon sind 45 % früh erkrankt (vormals 43 %). Nach wie vor unterschieden sich die Erkrankungsgruppen deutlich in ihrem Durchschnittsalter: Früh-Erkrankte sind im Mittel neun Jahre jünger als die Vergleichsgruppe der Mittel- und Spät-Erkrankten. Hinsichtlich der Verteilung der Wertetypen lassen sich keine bedeutsamen Unterschiede zwischen der „alten“ Stichprobe und dem ergänzten Datensatz feststellen.

Den Auswertungen zu den Langzeitfolgen folgend, werden die betrachteten Ausgaben im ergänzten Datensatz nun um eine Kostengröße erweitert. Die Ausgaben für Behandlungen von Langzeitfolgen im Krankenhaus, durch Arzneimittel und bei der Zahlung von Krankengeld werden nun gesondert ausgewiesen und zu den Diabetes-relevanten Ausgaben gezählt. Bei Einbezug dieser Größe verdeutlichen sich die Unterschiede, die bereits zuvor zwischen den Erkrankungsgruppen festgestellt wurden. Trotz des geringeren Durchschnittsalters, haben Früh-Erkrankte Diabetiker in Behandlung mit Insulin höhere Diabetes-relevante Ausgaben in den Bereichen Arzneimittelverordnungen, ambulante Behandlungen und Krankengeldzahlungen. Im Krankenhaus liegen sie bez. der konservativ bestimmten Ausgabengröße höher (Behandlungen aus den Kapiteln E10 bis E14), jedoch nicht bezüglich ihrer Langzeitfolgen. Insgesamt betrachtet, überragen die Ausgaben der Früh-Erkrankten Diabetiker (mit Insulinen) die der Vergleichsgruppen Mittel- und Spät-Erkrankt (mit Insulinen) um durchschnittliche 549,94 € pro Versichertenjahr. Eine Auszählung nach Wertetypen zeigt, dass sich die hedonistischen Materialisten hier weniger durch die Höhe ihrer Ausgaben auszeichnen, als um die Anteile der Diabetes-relevanten Ausgaben. Mit einem Anteil von 52% bestimmen die Diabetes-bedingten Ausgaben der hedonistischen Materialisten die Gesamtkosten am stärksten.

Wie entwickeln sich die Ausgaben im Laufe der Erkrankung? In den drei Gruppen werden die Ausgaben pro Versichertenjahr mit der angegebenen Dauer der Erkrankung in Beziehung gesetzt. Eine Korrelationsanalyse zeigt, dass Diabetes-relevante Ausgaben (einschl. Langzeitfolgen) unter den Früh-Erkrankten mit zunehmender Dauer der Erkrankung signifikant ansteigen. Eine mäßigere Steigung kann unter den Mittel-Erkrankten errechnet werden. Unter den Spät-Erkrankten dreht sich das Verhältnis um: Tendenziell fallen die Diabetes-relevanten Ausgaben mit zunehmender Dauer der Erkrankung.

 

Fazit:

Insulinpflichtige erzeugen die höchsten Ausgaben im Gesundheitssystem, sie haben die meisten Langzeitfolgen mit den kostenintensivsten Behandlungen.

Unter den Früh-Erkrankten sind überproportional viele Insulinpflichtige vertreten, was auf die lange Dauer der Erkrankung zurück geführt werden kann. Unter den Früh-Erkrankten ist der hedonistische Materialist überproportional stark vertreten, was sich wiederrum auf das junge Durchschnittsalter der Gruppe zurückführen lässt. Dies wird durch eine Betrachtung der Skalenwerte der Wertedimension „Hedonistischer Materialismus“ bestätigt. Die Unterschiede in den Ausgaben zwischen Früh-, Mittel- und Spät-Erkrankten lassen sich auf den höheren Anteil Insulinpflichtiger innerhalb der Früh-Erkrankten zurückführen.

Die festgestellten Unterschiede verdeutlichen sich bei Einbezug der Ausgaben für die Behandlung von Langzeitfolgen. Die Diabetes-bedingten Ausgaben entwickeln sich unter den Früh-Erkrankten signifikant positiv mit zunehmender Dauer der Erkrankung. Unter den Früh-Erkrankten erstreckt sich der Range der angegebenen Erkrankungsdauer von 0 bis 85 Jahren. Unter den Mittel-Spät-Erkrankten ist der zunehmende Effekt in den Ausgaben moderater. Hier erstreckt sich die angegebene Erkrankungsdauer von 0 bis 30 Jahren. Unter den Spät-Erkrankten dreht sich das Verhältnis um. Hier sinken die Ausgaben mit zunehmender Erkrankungsdauer tendenziell ab. Die angegebene Erkrankungsdauer erstreckt sich von 0 bis 15 Jahren.

 

 

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Dr. Heiko Friedel

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Krankheitskosten von Patienten mit akutem Koronarsyndrom mit und ohne perkutaner Koronarintervention

 

Das akute Koronarsyndrom (AKS) ist eine behandlungsintensive Erkrankung dessen klinische Manifestationen die Todesursachenstatistik in Deutschland anführen. Die Behandlung der instabilen Angina pectoris und Myokardinfarkte bedürfen einer aufwändigen Diagnostik und Therapie. Hier stellt sich die Frage nach der Wirtschaftlichkeit verschiedener Behandlungswege. Ziel der Studie ist es, die Krankheitskosten von Patienten mit AKS anhand einer Versichertenstichprobe zu erfassen und auf Deutschland zu extrapolieren. Die Betrachtung erfasst Inanspruchnahmen in den folgenden Leistungsbereichen:

-        Stationäre Behandlungen

-        Arzneimittelverordnungen

-        Ambulante ärztliche Leistungen

-        Arbeitsunfähigkeit und Krankengeld

Die Kostenberechnung der Behandlungswege mit und ohne perkutaner Koronarintervention beginnt mit einem akuten stationären Ereignis und schließt die Inanspruchnahmen in den 12 Folgemonaten ein. Die Ressourcenverbräuche krankheitsrelevanter (AKS-bezogener) Inan­spruchnahmen werden separat ausgewiesen. Einschlägige Komorbiditäten der Patienten (Diabetes mellitus) werden ebenfalls berücksichtigt. Anhand ihrer demographischen Vertei­lung werden schließlich die Ressourcenverbräuche der Patientenstichprobe (N= 1745) auf das Gesamtkollektiv gesetzlich Versicherter in Deutschland hochgerechnet. Das Unter­suchungsdesign ist retrospektiv beobachtend und überschaut insgesamt einen Behandlungs­zeitraum von 36 Monaten (2004 bis 2006).

Die Ergebnisse der Studie können in naher Zukunft (ca. Juni 2009) im Current Medical Research and Opinion (Friedel H, Delges A, Trautvetter D: Expenditures of the German Statutory Health Insurance System for Patients suffering Acute Coronary Syndrome with Percutaneous Coronary Intervention) eingesehen werden.

Diese Studie markiert den Auftakt zu einer Zusammenarbeit mit der LILLY Deutschland GmbH auf dem Gebiet der Gesundheitsökonomie und der Versorgungsforschung.

 

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Ermittlung der Krankheitskosten von Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 nach Wertetypen

 

Die Ressourcenverbräuche von Diabetikern sind in verschiedenen internationalen Studien berechnet worden. Hintergrund ist die zunehmende Prävalenz dieser Erkrankung, die damit wesentlich zur steigenden Belastung durch chronische Erkrankungen für die Gesellschaft beiträgt. Für die Versorgung der Typ 2 Diabetiker sind einerseits die zunehmenden technischen Möglichkeiten, andererseits die Krankheitseinsicht und die Eigenverantwortung der Patienten entscheidend. Bei Diabetes mellitus (DM) Typ 2 sind dabei es weniger die laufenden Kosten der unmittelbaren Krankheitsbewältigung, als denn vielmehr die Behandlungen schwerwiegender Langzeitfolgen, die den Großteil der Ressourcenverbräuche erklären.

Mit dieser Studie wird die Seite der Krankheitseinsicht und der Eigenverantwortung der Versorgung aufgegriffen. Betrachtet man Werte als Steuerungselemente für Einstellungs- und Verhaltensdispositionen (Maag 1989), so bietet es sich im Rahmen einer Compliance-orientierten Behandlung an, Werteorientierungen von Patienten zu berücksichtigen. Die Wertetypisierung nach Klages (1992) unterteilt anhand von drei Wertedimensionen fünf Typen, die sich hinsichtlich ihres Umgangs mit der Erkrankung, der Reaktion auf Therapien sowie den Möglichkeiten der Gewinnung von Compliance unterscheiden.

In Zusammenarbeit mit einer Betriebskrankenkasse werden die Werteorientierungen und gesundheitsbezogenen Verhaltensweisen der Typ 2 Diabetiker ermittelt. Diese gewonnenen Primärdaten werden mit den Sekundärdaten über die Inanspruchnahme (Stationäre Behandlungen, Arzneimittelverordnungen, ambulante ärztliche Leistungen, Arbeitsunfähigkeit und Krankengeld sowie sonstige Leistungen (Heil- und Hilfsmittel) verknüpft. Entgegen einer „One-fits-all“ Strategie zielt diese Studie also auf die wertetypenspezifische Erfassung der Ressourcenverbräuche und Langzeitfolgen des DM Typ 2.

Die Kostenberechnung der Inanspruchnahmen erfolgt nach der Identifikation der DM Typ 2 Patienten anhand ihrer Diagnosen und Arzneimittelverordnungen, insgesamt wird im Rahmen des Untersuchungsdesigns retrospektiv ein Behandlungszeitraum von 36 Monaten überschaut (2005 bis 2007). Innerhalb dieser Versichertenstichprobe wird eine randomisierte Patientenstichprobe (DM Typ 2; N=1000) bez. ihrer Werteorientierungen und ihres gesundheitsspezifischen Verhaltens befragt. Die Dauer der Erkrankung, die Therapieform sowie die Manifestation von Langzeitfolgen werden bei der Auswertung der Krankheitskosten berücksichtigt, um die Schwere der Erkrankung nicht außer Acht zu lassen.

Mit dieser Studie führt das IPG seine Zusammenarbeit mit der LILLY Deutschland GmbH fort. Der Abschluß der Studie soll im Spätsommer 2009 erfolgen. Die kooperierende Betriebskrankenkasse sieht in dieser Studie eine Möglichkeit der Mitwirkung an einer innovativen Versorgungsforschung. Eine anschließende, auf den Erkenntnissen der Studie aufbauende, Intervention wird begrüßt.

 

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